Verspannter Nacken oder steckt mehr dahinter? Warum Beschwerden oft von der Halswirbelsäule kommen - Die Sonderseite mit Dr. Noe im Interview
Morgens aufwachen und der Hals dreht sich kaum zur Seite. Ein dumpfes Ziehen, das vom Nacken in die Schultern und den Hinterkopf kriecht. Oder dieses merkwürdige Kribbeln in den Fingern, das einfach nicht verschwindet. Viele gewöhnen sich daran. Dabei sollten sie genauer hinschauen. Denn hinter solchen Zeichen steckt häufig die Halswirbelsäule, und die lässt sich, wenn man es richtig angeht, sehr gut behandeln.
Dr. Stephan Noe ist leitender Arzt und Rückenspezialist in der WolfartKlinik. Er beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Schmerzen im Nacken, in Schultern und Armen.
Nackenschmerzen kennt fast jeder. Wann sollte man hellhörig werden?
Dr. Noe: Das stimmt, Nackenschmerzen sind weit verbreitet. Rund ein Drittel der Bevölkerung erlebt mindestens einmal im Jahr eine Episode. Trotzdem sollte man Schmerzen nicht einfach aussitzen. Spätestens wenn sie nicht aufhören, sich in Schultern oder Arme ausbreiten oder wenn Kribbeln, Taubheit oder Schwäche in den Händen dazukommen, ist ein Arztbesuch dringend nötig. Die Halswirbelsäule ist eine empfindliche Region, hier laufen wichtige Nerven, die den gesamten Arm versorgen. Wird ein Nerv dauerhaft eingeklemmt, kann das langfristige Folgen haben.
Was sind typische Beschwerden, bei denen viele gar nicht an die Halswirbelsäule denken?
Dr. Noe: Die Bandbreite ist groß. Manche kommen mit einem steifen, kaum beweglichen Nacken, andere mit Schmerzen, die scheinbar aus dem Nichts in den Arm schießen, scharf, brennend, manchmal wie ein elektrischer Schlag. Sehr häufig berichten Patienten über Kribbeln oder Taubheitsgefühle in den Fingern, Schwächegefühl beim Greifen, und über Schwindel oder Ohrgeräusche, für die kein anderer Arzt eine Erklärung hatte. Das alles kann auf die Halswirbelsäule zurückzuführen sein. Besonders ernst nehmen sollte man es, wenn Gegenstände plötzlich aus der Hand fallen, wenn sich das Schriftbild verändert oder der Gang unsicher wird. Das sind mögliche Zeichen einer Rückenmarksbeteiligung und dulden keinen Aufschub.
Warum macht gerade die Halswirbelsäule so häufig Probleme?
Dr. Noe: Bei Erwachsenen ist der häufigste Grund natürlicher Verschleiß, und der beginnt früher als die meisten denken. Zwischen 30 und 35 Jahren zeigen bereits 60 bis 70 Prozent der Menschen erste degenerative Veränderungen. Bei den 45- bis 49-Jährigen sind es schon 80 bis 100 Prozent. Das bedeutet aber nicht automatisch Schmerzen. Ob jemand Beschwerden entwickelt, hängt von Muskulatur, Körpergewicht, Alltagsbelastung und psychischer Verfassung ab. Büroarbeit, langes Autofahren und wiederholtes schweres Heben begünstigen Probleme an der Halswirbelsäule ebenso wie Rauchen. Daneben können Bandscheibenvorfälle, Einengungen des Wirbelkanals oder Erkrankungen wie Rheuma die Ursache sein.
Wie gehen Sie bei der Behandlung vor?
Dr. Noe: Mein Grundsatz ist klar: Ich schöpfe zuerst alle konservativen Möglichkeiten konsequent aus, bevor ich überhaupt über eine Operation nachdenke. Das beginnt mit einer gründlichen Diagnose: Gespräch, körperlicher Untersuchung, Röntgen, MRT oder CT, manchmal auch gemeinsam mit einem Neurologen. Dann folgt die Therapie: Physiotherapie, gezielte Kräftigungsübungen für Nacken und Schultern, manuelle Therapie und wenn nötig Infiltrationen. Diese Schmerzspritzen werden unter Bildkontrolle gezielt an den Schmerzpunkt gesetzt. Sie lindern den Schmerz und schaffen Raum für die eigentliche Therapie. Bei vielen Patienten reicht genau das aus.
Und wann empfehlen Sie eine Operation?
Dr. Noe: Wenn Nerven dauerhaft unter Druck stehen, die Stabilität der Wirbelsäule gefährdet ist oder Beschwerden trotz Therapie bestehen bleiben. Dann rate ich zur Operation. Aber ich möchte die Scheu nehmen: Eingriffe an der Halswirbelsäule sind heute klein und präzise. Wir arbeiten minimalinvasiv, unter dem Mikroskop. Die Patienten sind danach oft überrascht, denn die postoperativen Schmerzen sind gering, der Aufenthalt sehr kurz, und die Ergebnisse sehr gut. Manche berichten, dass der ausstrahlende Schmerz im Arm bereits im Aufwachraum weg ist. Ein vergleichsweise kleiner Eingriff kann eine sehr große Wirkung haben.
Was raten Sie Menschen, die gerade mit solchen Beschwerden kämpfen?
Dr. Noe: Nicht warten. Nackenschmerzen müssen kein Dauerzustand sein. Je früher eine Ursache gefunden wird, desto einfacher lässt sie sich behandeln und desto besser sind die Chancen auf vollständige Erholung. Ich stehe meinen Patienten gerne für ein ausführliches Erstgespräch zur Verfügung. Vereinbaren Sie einfach einen Termin mit mir.
Kontakt:
ORTHO-M
Dr. Stephan Noe
Nymphenburger Str. 146
80634 München
Tel. 0 89/1 39 97 30














