Der Schmerz ist chronisch. Die Sprüche leider auch. Warum chronische Schmerzen mehr brauchen als Durchhalteparolen - Die Sonderseite mit Dr. Simon im Interview
„Du musst dich einfach mehr bewegen.“ | „Andere haben auch Schmerzen.“ | „Das ist bestimmt psychisch.“ | „Da muss man halt durch.“
Menschen mit chronischen Schmerzen kennen diese Sätze oft genauso gut wie ihre Beschwerden selbst. Doch was als gut gemeinter Rat beginnt, sorgt bei vielen Betroffenen irgendwann für Frust, Rückzug und das Gefühl, mit ihren Schmerzen nicht ernst genommen zu werden.
MUDr. Lena Simon leitet die neue stationäre multimodale Schmerztherapie der WolfartKlinik. Sie weiß: Chronische Schmerzen betreffen nicht nur einzelne Körperregionen, sondern oft den gesamten Alltag eines Menschen.
Sind chronische Schmerzen eine eigene Erkrankung?
Dr. Simon: Ja, und genau deshalb braucht es häufig mehr als Medikamente oder kurzfristige Behandlungen.
Und ab wann wird ein Schmerz chronisch?
Dr. Simon: Wenn er länger als drei bis sechs Monate anhält und den Alltag zunehmend beeinflusst. Viele Patienten schlafen schlechter, bewegen sich weniger, ziehen sich sozial zurück oder verlieren Lebensqualität.
Das Problem ist: Schmerz betrifft irgendwann nicht mehr nur eine Stelle im Körper. Er beeinflusst häufig das gesamte Leben.
Warum fühlen sich viele Menschen mit chronischen Schmerzen oft missverstanden?
Dr. Simon: Weil man Schmerzen von außen häufig nicht sieht. Viele Betroffene funktionieren weiterhin im Alltag, gehen arbeiten oder versuchen, möglichst normal zu wirken. Gleichzeitig leiden sie oft seit Monaten oder Jahren unter Beschwerden. Dann kommen Aussagen wie „Reiß dich zusammen“ oder „Du musst einfach positiver denken“. Das mag gut gemeint sein, hilft Betroffenen aber selten weiter. Chronische Schmerzen sind keine Frage von mangelndem Willen.
Was passiert bei einer multimodalen Schmerztherapie?
Dr. Simon: Wir betrachten Schmerzen nicht isoliert. Genau deshalb arbeiten in der multimodalen Schmerztherapie verschiedene Fachbereiche eng zusammen.
Dazu gehören beispielsweise ärztliche Schmerzmedizin, Physiotherapie, Bewegungstherapie, psychologische Unterstützung und Gespräche, die helfen, Schmerzen besser zu verstehen. Ziel ist es, gemeinsam neue Strategien im Umgang mit Schmerzen zu entwickeln und Patienten wieder mehr Sicherheit und Lebensqualität zu geben.
Viele Patienten haben wahrscheinlich schon eine lange Ärztegeschichte hinter sich?
Dr. Simon: Das stimmt. Da gibt es fast immer bereits zahlreiche Untersuchungen, Therapien oder Medikamente die ausprobiert wurden. Betroffene sind hier irgendwann wahnsinnig erschöpft oder verunsichert.
Deshalb ist es uns wichtig, zunächst einmal zuzuhören und die gesamte Situation zu verstehen. Chronische Schmerzen entstehen oft durch mehrere Faktoren gleichzeitig.
Warum kann ein stationärer Aufenthalt hilfreich sein?
Dr. Simon: Weil Patienten dadurch bewusst aus ihrem belastenden Alltag herauskommen. Im stationären Setting können wir Therapien intensiver miteinander kombinieren und individuell abstimmen.
Außerdem erleben viele Betroffene zum ersten Mal, dass sie mit ihren Beschwerden ernst genommen werden und genau das ist oft ein wichtiger Schritt.
Was wünschen Sie sich gesellschaftlich im Umgang mit chronischen Schmerzen?
Dr. Simon: Mehr Verständnis. Chronische Schmerzen sind eine echte Erkrankung und keine Übertreibung oder Charakterschwäche. Niemand sollte das Gefühl haben, sich permanent rechtfertigen zu müssen, nur weil man Schmerzen nicht sehen kann.
Welche Schmerzbilder behandelt ihr Team und wie nimmt man Kontakt auf?
Dr. Simon: Wir behandeln unter anderem chronische Rücken- und Gelenkschmerzen, Schmerzen im Bewegungsapparat, Bauch- und Beckenschmerzen, Nerven-, Kopf- und Gesichtsschmerzen, Ganzkörperschmerzen, Tumorschmerzen sowie Schmerzen ohne eindeutige Ursache.
Wer wissen möchte, ob eine stationäre Schmerztherapie infrage kommt, kann sich direkt bei uns melden. Gemeinsam klären wir, ob die Behandlung zur persönlichen Situation passt und wie die Aufnahme abläuft.
Kontakt und Aufnahme
Wenn Sie sich fragen, ob eine interdisziplinäre Schmerztherapie für Sie infrage kommt, nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf. Gemeinsam klären wir, ob diese Behandlung für Ihre Situation sinnvoll ist und wie der weitere Ablauf aussieht.
WolfartKlinik – Stationäre Schmerztherapie
Waldstraße 7, 82166 Gräfelfing
Telefon: (089) 85 87 – 178
E-Mail: schmerztherapie@wolfartklinik.de
Mehr Infos unter:
https://wolfartklinik.de/medizinische-leistungen/schmerztherapie/multimodale-schmerztherapie/














